Der jüdische Friedhof

Der Jüdische Friedhof wurde um 1800 im Distrikt „Im Judenwald“ am Horetberg gegründet. Er befindet sich etwa in 1,5 Kilometer Entfernung von der Ortsmitte Waldlaubersheims, nicht weit entfernt vom jüdischen Friedhof der Gemeinde Rümmelsheim. Die Friedhofsfläche umfasst 937m².

Der älteste datierbare Grabstein ist allerdings erst vom Dezember 1878. Allerdings müsste es noch viel ältere Gräber geben, lebten doch im Jahre 1808 in Waldlaubersheim 16 Juden. Die älteren Grabsteine sind entweder verwittert oder gar nicht mehr erhalten.
Eine letzte Beisetzung wurde im Mai 1937 vorgenommen (jüngster Grabstein für Carl Marx, gest. 9. Mai 1937).

Es sind noch Grabsteine auf 21 Einzel- und zwei Doppelgräbern vorhanden. Da die Grabsteine fast ausschließlich aus Sandstein gefertigt wurden, unterlagen sie im Laufe von bis zu über 130 Jahren stark der Verwitterung. Aber es sind auch sehr gut erhaltene Grabmahle darunter.
Bei über der Hälfte der Grabsteine sind noch Inschriften zu erkennen.
Grabsteinen von 11 Gräbern zeigen vollständige Namen und Daten der Verstorbenen.
Bei der gleichen Anzahl sind zumindest hebräische Schriftzeichen und vereinzelt auch
Teile von Daten zu erkennen.
Auf 3 Grabsteinen sind keine Inschriften mehr erhalten.

 

Aus der Historie des jüdischen Friedhofs Waldlaubersheim

Mit Datum vom 05. Juli 1938 erhielt der Bürgermeister von Waldlaubersheim ein Schreiben der Amtsverwaltung Langenlonsheim, das mit gleichlautendem Text auch an alle Bürgermeister der Ämter Langenlonsheim und Windesheim ging, in deren Gemarkung jüdische Friedhöfe lagen:
„Die nicht mehr benutzten jüdischen Friedhöfe können durch den Herrn Regierungspräsidenten geschlossen werden. Die Eigentümer müssen den Antrag stellen. Der Herr Regierungspräsident ist bereit die Schließung zu genehmigen, wenn in den letzten 15 Jahren keine Beerdigungen mehr stattgefunden haben. Andererseits kann der Eigentümer eines jüdischen Friedhofs, der vernachlässigt und nicht mehr gepflegt wird, zur Instandhaltung desselben angehalten werden. Ich ersuche, die in ihrer Gemeinde gelegenen jüdischen Friedhöfe einer eingehenden Besichtigung zu unterziehen und mit den Eigentümern in der Richtung der Aufgaben der Friedhöfe zu verhandeln. Nach meiner Ansicht ist die Zusammenlegung der jüdischen Friedhöfe im Langenlonsheimer Wald ohne Schädigung des Ansehens der Toten und ohne Schwierigkeiten möglich. Dieser Friedhof würde auch zentral für alle Orte der Gemeinden der beiden Ämter gelegen sein und genügend Raum bieten. Ich bitte in diesem Sinne die Verhandlungen zu führen und mir über das Ergebnis bis längstens 20. ds. Mts. zu berichten. In dem gleichen Bericht ist auch ein eingehendes Gutachten über den Zustand der Friedhöfe abzugeben.“
In seiner Antwort am 09.07.1938 teilt der Waldlaubersheimer Bürgermeister die Auffassung, dass der im Langenlonsheimer Wald gelegene jüdische Friedhof für alle umliegenden Orte genüge. Sodann berichtet er, dass der Verkauf der Marxschen Metzgerei anstehe und zudem nur noch die Ehefrau von Hugo Marx hier wohne und beabsichtige ebenfalls auszuwandern, „so dass hier kein Judenfriedhof mehr benötigt wird.“ Weiter schreibt er, dass Frau Marx bezüglich des Friedhofes keine Entscheidung treffen könne. Der nach Kreuznach verzogene Moritz Marx und der nach Bingen verzogene Julius Kann hätten immer über den Friedhof bestimmt. In der Angelegenheit „Aufhebung der jüdischen Friedhöfe“ sind noch einige Schreiben zwischen Amtsverwaltung und Gemeindebürgermeistern auch mit den zuständigen Synagogengemeinden gewechselt worden, jedenfalls wurde die Aufhebung des jüdischen Friedhofes Waldlaubersheim abgelehnt, was aus dem Bericht der Amtsverwaltung Langenlonsheim an das Landratsamt Kreuznach hervorgeht. Nach einer erneuten Anfrage der Amtsverwaltung am 25.11.1938 berichtet der Amtsgehilfe Lippert: „Der Friedhof ist äußerlich in gutem Zustand und rund um die Drahtumzäunung schöne Tannen angepflanzt. Im Friedhofstor ist eine Lücke eingeschnitten zum einsteigen, die Stäucher und Hecken sind sehr gut abgeholzt und liegen noch zum Aufarbeiten im Friedhof. Der Friedhof weist ein ganz anderes Bild auf als vorher. Es sind aber 6 Steine umgeworfen und zwar die der letzten Gräber“.

Während des Krieges verschwanden Tor und Umzäunung des Friedhofes und mancher Grabstein. Nach dem Zusammenbruch mussten die jüdischen Friedhöfe wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand versetzt werden; dazu wurden die ehemaligen Parteigenossen herangezogen. Die noch vorhandenen Grabsteine richtete man wieder auf und reinigte den Friedhof von Gestrüpp und Unkraut. Außerdem wurden neue Wege angelegt. Der Friedhof wurde mit einem Jägerzaun eingefriedet und mit einem Tor versehen.

Schon kurz nach der Beendigung der Kampfhandlungen am 18. März 1945 erschien der in Waldlaubersheim 1920 geborene Ernst Marx, Sohn der nunmehr in der Schweiz lebenden Hugo Marx (verstorben am 06.05.1946 in Aigle am Genfer See) und seine Ehefrau Clara geb. Benjamin beim damaligen Ortsbürgermeister Schmitz und erklärte, dass seine Eltern den Kaufpreis für das 1939 veräußerte Geschäftsgrundstück mit allen Gebäuden, Garten und Ackerland in Höhe von 14.000,00 RM überhaupt nicht erhalten habe. Der Kaufpreis wurde damals an den Notar bezahlt, der das Geld auf ein ihm angegebenes Konto einzuzahlen hatte. Leutnant Ernst Marx hinterlegte eine Erklärung, wonach das Geld, falls es zur Auszahlung käme, zum Wiederaufbau des jüdischen Friedhofs verwendet werden sollte.

In der Folgezeit sollte der Friedhof noch zweimal Anlass zu Ermittlungen wegen fremden Eingriffs sein: am 07. Juli 1967 fanden Bürgermeister Ackermann, der Vertreter der Jüdischen Kultusgemeinde Seibert und der Betreuer des Friedhofs, Helmut Bäcker, bei einer gemeinsamen Besichtigung sechs Grabsteine umgestürzt vor. Im Juli 1971 lagen erneut die Grabsteine von fünf Einzelgräbern und einem Doppelgrab umgestürtz auf der Erde. Nach den polizeilichen Feststellungen schieden antisemitische Auswirkungen aus. Der Verdacht erhärtete sich immer mehr, dass in beiden Fällen spielende Kinder die Schäden verursacht haben könnten. Alle weiteren Ermittlungen blieben ergebnislos.

Von den in Waldlaubersheim geborenen, dort aufgewachsenen oder verheirateten jüdischen Bürgerinnen und Bürgern sind lt. Gedenkbuch der Bundesregierung bei der Deportation umgekommen bzw. wurden durch das Sonderstandesamt Berlin für tot erklärt:

Quelle: Chronik der Ortsgemeinde Waldlaubersheim und darin enthaltene Auszüge über den Jüdischen Friedhof Waldlaubersheim aus dem Buch „Jüdische Grabstätten im Landkreis Bad Kreuznach“, Seiten 481 bis 488